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Ernährungsräte ver­ab­schieden Frank­furter Erk­lärung für gute Ernährung und Pro­duk­tion
„Wege zur Ernährungs­demokratie“ – unter diesem Mot­to kamen in Frank­furt vom 23. bis zum 25. Novem­ber mehr als 150 Vertreterin­nen und Vertreter aus Deutsch­land, Öster­re­ich, der Schweiz, Lux­em­burg und den Nieder­lan­den zusam­men. Das bish­er größte Ernährungsräte-Net­zw­erk­tr­e­f­fen auf deutschem Boden schloss am Son­ntag mit der Ver­ab­schiedung ein­er Frank­furter Erk­lärung. Die Ernährungsräte fordern darin geschlossen eine radikale Änderung der Art und Weise wie wir Lebens­mit­tel pro­duzieren, kon­sum­ieren und wertschätzen.
  •     Alle Men­schen sollen Zugang zu gutem und gesun­den Essen bekom­men.
  •     Wir brauchen trans­par­ente Preise, die Umweltschä­den durch Pro­duk­tion mit ein­beziehen.
  •     Ver­brauch­er sind nicht allein ver­ant­wortlich, das heißt wir brauchen neue poli­tis­che Rah­menbe­din­gun­gen z.B. Sub­ven­tion­ierung nach öko-   sozialen Kri­te­rien und nicht nach Fläche.
Die Frank­furter Erk­lärung soll als Leitlin­ie für die Arbeit der Ernährungsräte dienen. Ernährungsräte sind Zusam­men­schlüsse von engagierten Bürg­erin­nen und Bürg­ern, der Wis­senschaft, der Wirtschaft und den Kom­munen. Allein in Deutsch­land gibt es bish­er über 40 bere­its beste­hende und in Grün­dung befind­liche Ini­tia­tiv­en.
„Frank­furter Erk­lärung der Ernährungsräte“
Ernährungs­demokratie jet­zt!
Beim zweit­en Kongress der deutschsprachi­gen Ernährungsräte vom 23.11. — 25.11. 2018 in Frank­furt am Main, haben wir als Net­zw­erk die fol­gende Erk­lärung ver­ab­schiedet.
Weltweit organ­isieren sich Bürger*innen in Ernährungsräten, um als Bünd­nis zivilge­sellschaftliche Posi­tio­nen und Forderun­gen für ein zukun­fts­fähiges Ernährungssys­tem öffentlich zu vertreten und ihnen zu poli­tis­ch­er Gel­tung zu ver­helfen.
Die Gründe für eine Ernährungswende sind offen­sichtlich:
Die indus­trielle Land­wirtschaft und Lebens­mit­tel­pro­duk­tion befördern den Kli­mawan­del, die Abholzung der Wälder, die Zer­störung der Böden, Wasserk­nap­pheit sowie -ver­schmutzung und den Ver­lust von Bio­di­ver­sität mit Auswirkun­gen in Deutsch­land, der Europäis­chen Union und über­all in der Welt. Wenige große Unternehmen der Agrar­wirtschaft prof­i­tieren, während viele bäuer­liche Betriebe und handw­erk­liche Ver­ar­beit­er aufgeben müssen. 800 Mil­lio­nen Hungernde, mehr als eine Mil­liarde fehlernährte Men­schen – und par­al­lel dazu zwei Mil­liar­den Übergewichtige – weltweit zeigen, dass das glob­ale Ernährungssys­tem aus dem Rud­er gelaufen ist.
Ein Sys­temwan­del ist möglich, denn immer mehr Bürger*innen schätzen gutes Essen und Klarheit darüber, wo und wie es erzeugt wird. Sie kaufen ökol­o­gis­che, saisonale und regionale Pro­duk­te. Das zeigt uns, dass gutes Essen und gute Land­wirtschaft möglich sind – jet­zt und in Zukun­ft, hier in Deutsch­land und über­all.
Zen­tral ist dabei, dass die Ver­ant­wor­tung für eine zukun­fts­fähige Ernährungsweise nicht auf Akteure wie Lebensmittelproduzent*innen und Konsument*innen abgewälzt wer­den darf. Vielmehr ist es Auf­gabe der Poli­tik, für die Rah­menbe­din­gun­gen zu sor­gen, die ein zukun­fts­fähiges, relokalisiertes Ernährungssys­tem ermöglichen. Die Poli­tik ist gefordert For­men des nach­halti­gen Wirtschaftens zu fördern.
Eine demokratis­che, gerechte, freie und weltof­fene Gesellschaft ist für das Gelin­gen der Ernährungswende dabei unab­d­ing­bar!
Die Ernährungsräte im deutschsprachi­gen Raum sind in den Städten und Gemein­den vor Ort aktiv, um die Ernährungswende auf lokaler Ebene mit zu gestal­ten.
Mit den nach­fol­gen­den Forderun­gen treten wir an die Öffentlichkeit:
Verän­derte Rah­menbe­din­gun­gen durch poli­tis­che Ver­ant­wor­tung:
Der Zugang zu gesun­den Lebens­mit­teln muss auch als Aus­druck des Vor­sorgeprinzips Bestandteil der öffentlichen Daseinsvor­sorge sein. Städte und angren­zende Regio­nen spie­len eine zen­trale Rolle bei der Schaf­fung ein­er nach­halti­gen Lebens­mit­telver­sorgung. Die aktuell beste­hen­den planer­ischen und entwick­lungspoli­tis­chen Instru­mente sollen auch die Belange der Lebens­mit­tel­erzeu­gung und Verteilung berück­sichti­gen – und zwar weit über die Stadt­gren­zen hin­aus.
Wahre Preise und Trans­parenz im wirtschaftlichen Sys­tem:
Die aktuellen Wirtschaftsstruk­turen min­dern die Wet­tbe­werb­s­fähigkeit ein­er nach­halti­gen Lebens­mit­telver­sorgung. Wir brauchen eine kor­rek­te Ein­preisung extern­er Kosten (d.h. direkt und indi­rekt verur­sachte ökol­o­gis­che und soziale Prob­leme) bei Erzeu­gung, Ver­ar­beitung und Ver­mark­tung
Macht der Verbraucher*innen und Ver­ant­wor­tung der Poli­tik:
Die Ver­ant­wor­tung kann nicht allein auf die Verbraucher*innen abgewälzt wer­den, während echte Möglichkeit­en zur aktiv­en Mit­gestal­tung fehlen. Appelle zu nach­haltigem Kon­sum scheit­ern unter anderem an fehlen­den attrak­tiv­en Alter­na­tiv­en.
Wertschöp­fungs­ket­ten zu Wertschöp­fungskreis­läufen:
Regionale Lebens­mit­telver­sorgung erfordert funk­tion­ierende, (lokale) Wertschöp­fungskreis­läufe und Infra­struk­turen. Eine Ernährungswende gelingt dabei nur zusam­men mit ein­er Agrar­wende unter Beteili­gung aller Stufen der Wertschöp­fung.
Voneinan­der Ler­nen und existierende Lösun­gen über­tra­gen:
In vie­len Regio­nen gibt es bere­its zahlre­iche Erfol­gs­beispiele nach­haltiger Lebens­mit­telver­sorgung. Diese gilt es zu fördern und zu mul­ti­plizieren. Hier­bei kommt vor allem den Politiker*innen in Städten und Gemein­den eine größere Ver­ant­wor­tung zu, die sie wahrnehmen müssen.
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Link Adresse für Jour­nal­is­ten: (Hier find­en Sie die Frank­furter Erk­lärung zum Down­load, sowie einige Bilder)