Pünk­tlich zur anste­hen­den Land­tagswahl in NRW am 15. Mai haben sich 13 Ernährungsräte und Ernährungsra­tini­tia­tiv­en aus Nor­drhein West­falen zusam­menge­tan und ein Posi­tion­spa­pi­er ver­fasst. Dieses bein­hal­tet konkrete Forderun­gen an die kom­mende Lan­desregierung für ein zukun­fts­fähiges Ernährungssys­tem für NRW.

Die Forderun­gen geben wir als Wahl­prüf­steine bei den Parteien ein, sodass wir Antworten erhal­ten. Diese wer­den wir über die sozialen Medi­en der Ernährungsräte in NRW kom­mu­nizieren und in den Koali­tionsver­hand­lun­gen den Stand der Umset­zung unser Forderun­gen beobachten!

Forderun­gen zur Land­tagswahl in Nor­drhein-West­falen 2022 

Die Ernährungsräte in NRW

„Ein zukun­fts­fähiges Ernährungssys­tem für ganz NRW!“

Die Kli­makrise und der Ver­lust an biol­o­gis­ch­er Vielfalt stellen die großen weltweit­en Bedro­hun­gen für Frieden und Sicher­heit dar. Deshalb haben sich alle Staat­en der Vere­in­ten Natio­nen auf verbindliche Nach­haltigkeit­sziele – die ‚Sus­tain­able Devel­op­ment Goals‘ – geeinigt. Die Ernährung ist mit diesen Zie­len in ihrer Gesamtheit stets verknüpft.[i]

Eine Ernährungswende kann in diesem Zusam­men­hang einen enorm wichti­gen Beitrag für die pos­i­tive Entwick­lung der Ökosys­teme, der Tier­hal­tung, der Teil­habe und der Gesund­heit liefern. Wir fordern somit eine sofor­tige und konkrete Umset­zung der bere­its zahlre­ich beste­hen­den Hand­lungsleitlin­ien und wis­senschaftlichen Gutacht­en.[ii]

  1. Zukun­ftsstrate­gie Ernährung NRW:

Erar­beitung und Umset­zung ein­er ‚Zukun­ftsstrate­gie Ernährung NRW‘ mit der verbindlichen Ein­bindung aller Inter­es­sen­grup­pen des Ernährungssys­tems. Zudem Schaf­fung eines Run­den Tischs für die Ver­ste­ti­gung der Zusam­me­nar­beit zwis­chen Zivilge­sellschaft, Organ­i­sa­tio­nen und poli­tis­chen Stake­hold­ern. Die verbindliche Umset­zung soll in der Ver­ant­wortlichkeit der Staatskan­zlei liegen und damit ressortüber­greifend gewährleis­tet werden.

  1. Regionale Wertschöp­fungszen­tren:

Ein­rich­tung regionaler Kom­pe­ten­zstellen für nach­haltige Verpfle­gungsange­bote. Ein­rich­tun­gen wer­den dabei unter­stützt, weniger Lebens­mit­tel zu ver­schwen­den und ökol­o­gis­che, saisonale, regionale, tier­wohlverträgliche- und faire Lebens­mit­tel zu nutzen. Die Kom­pe­ten­zstellen sollen in den Regionalen Wertschöp­fungszen­tren[iii] inte­gri­ert sein, um so die regionale Ernährungssou­veränität ins­ge­samt zu fördern und die Kom­pe­ten­zen für nach­haltige Geschäftsmod­elle stärken.

  1. Zukun­fts­fähige Land­wirtschaft:

Erhöhung des Flächenan­teils von Ökoland­bau in NRW auf 25 % bis 2030[iv]. Dabei soll­ten zu Beginn ins­beson­dere die Flächen der öffentlichen Hand umgestellt wer­den. Das land­wirtschaftliche Pro­duk­tion­ssys­tem muss durch die Unter­stützung der Umstel­lung und Etablierung auf Ökoland­bau zukun­fts­fähig gemacht wer­den. Dazu gehört auch die Förderung alter­na­tiv­er Bewirtschaf­tungs­for­men und nach­haltiger Vermarktungssysteme.

  1. Vor­bild ökol­o­gis­che Lan­deskan­ti­nen:

Die Lan­deskan­ti­nen[v] müssen eine Vor­bild­funk­tion erfüllen. Daher wer­den sie auf die Ver­wen­dung regionaler und vom Ziel her ökol­o­gisch pro­duziert­er Lebens­mit­tel bis 2024 umgestellt.

  1. Kan­ti­nen for Change:

Bere­it­stel­lung eines finanziellen Förder­pro­gramms für die Gemein­schaftsverpfle­gung in Kom­munen und pri­vat­en Ein­rich­tun­gen. Die Unter­stützung der Umstel­lung und Weit­er­en­twick­lung der Ernährungskonzepte zu ein­er stärk­er pflanzen­basierten Ernährung erfol­gt durch die regionalen Kom­pe­ten­zstellen[vi].

  1. Flächen­ver­brauch stoppen:

Flächen­ver­brauch in NRW bis zum Jahr 2025 auf max­i­mal 5 ha/d und bis 2035 auf Net­to-Null begren­zen. Täglich ver­lieren wir allein in NRW mehr als 19 Hek­tar Ack­er- und Grün­land­fläche. Um die wertvollen ökol­o­gis­chen Boden­funk­tio­nen und die land­wirtschaftlichen Flächen zu sich­ern, brauchen wir einen Schutz- und Erhal­tungsmech­a­nis­mus sowie eine ressourcenscho­nende Flächennutzung.

  1. Gesetz gegen Lebens­mit­telver­schwen­dung[vii]:

Maßge­blich­er Ein­satz der Lan­desregierung für ein Bun­des­ge­setz, das ein Ver­bot zum Weg­w­er­fen von Lebens­mit­teln in Super­märk­ten und rechtliche Grund­la­gen gegen Lebens­mit­telver­schwen­dung bein­hal­tet[viii]. Daneben bedarf es ein­er umfassenden Umset­zung der verpflich­t­en­den Maß­nah­men, die in der Nationalen Strate­gie zur Reduzierung der Lebens­mit­telver­schwen­dung[ix] vere­in­bart werden.

  1. Bil­dung für nach­haltige Entwick­lung in Aus­bil­dung und Schule:

Aus­rich­tung zer­ti­fiziert­er Fort­bil­dun­gen für päd­a­gogis­ches Per­son­al auf klim­agerechte Ernährung sowie Förderung kli­mafre­undlich­er Ernährungs­bil­dung in der Aus­bil­dung päd­a­gogis­chen Per­son­als. Über­ar­beitung und Insti­tu­tion­al­isierung der Lern­in­halte der All­ge­mein­bilden­den Schulen von Bil­dung für nach­haltige Entwick­lung in Bezug auf die Umweltauswirkun­gen des Ernährungssys­tems[x].

  1. Zukun­ft Ernährung im Rheinis­chen Revi­er:

Aus­rich­tung der Wirtschafts- und Struk­tur­pro­gramme für das Rheinis­che Revi­er auf seinen aktiv­en Beitrag zu einem zukun­fts­fähi­gen Ernährungssys­tem für NRW sowie Auf- und Aus­bau qual­i­ta­tiv­er und nach­haltiger Ernährungssicher­heit auch in dieser Region.

  1. Ernährungsmin­is­teri­um:

Struk­turelle und namentliche Ver­ankerung des Bere­ichs „Ernährung” im Min­is­teri­um Umwelt, Land­wirtschaft, Natur- und Ver­brauch­er­schutz und Grün­dung eines Lan­deszen­trums für Ernährung, das die zen­tralen The­men rund um Ernährung und Ernährungssicher­heit auf­greift und ein stärk­eres Bewusst­sein für den Wert von Lebens­mit­teln fördert.

Pressekon­takt

Die Ernährungsräte in NRW
c/o Ernährungsrat für Köln und Umge­bung
Flo­ri­an Sander
Neven-DuMont-Straße 14
D‑50667 Köln

 

Tele­fon: 0221–29852359
Mobil: 0176–87862149

Mail: info[ät]ernaehrungsraete-nrw.de

Fußnoten

[i] Siehe Wup­per­tal Insti­tut (2021): Zukun­fts­fähige Ernährungssys­teme und Kon­sum­muster.
Aktuelle Erken­nt­nisse aus der Forschung zu nach­haltiger Ernährung am Wup­per­tal Insti­tut. In:
Zukun­ft­sim­puls 2019

[ii] Siehe Auswahl an beste­hen­den Hand­lungsleitlin­ien und wis­senschaftlichen Gutachten:

Green new Deal/ Farm to Fork Strat­e­gy (EU), Abschluss­bericht Zukun­ft­skom­mis­sion Landwirtschaft,

Gutacht­en WBAE Juni 2020, NRW-Nachhaltigkeitsstrategie

[iii] Siehe Lan­desver­band Region­al­be­we­gung NRW e.V. (2022): Region­al­itätsstrate­gie NRW.
Zukun­ftschan­cen für Region­alver­mark­tung, Bio­di­ver­sität, Land­wirtschaft und Lebensmittelhandwerk

[iv] Siehe Volksini­tia­tive Arten­vielfalt NRW

[v] Siehe Pro­jekt des Lan­desamts für Natur, Umwelt und Ver­brauch­er­schutz Nor­drhein-West­falen
(LANUV): „NRW KAN­ti­nen Nach­haltig gestalten“.

[vi]  Siehe EU-Pro­jekt „School Food for Change“ im Rah­men des Forschungs- und Inno­va­tion­spro­gramms
Hori­zon 2020, das unter anderem in der Stadt Essen umge­set­zt wird.

[vii] Siehe Ger­man Zero (2022): 1,5‑Grad-Gesetzespaket. Maß­nah­menkat­a­log mit Geset­ze­sen­twür­fen.
Seite 1328.

[viii] Siehe das in Frankre­ich ver­ab­schiedete Gesetz zur Bekämp­fung der Lebens­mit­telver­schwen­dung
(LOI n° 2016-138; auch bekan­nt als „Loi Garot“) vom 11. Feb­ru­ar 2016.

[ix] Siehe Bun­desmin­is­teri­um für Ernährung und Land­wirtschaft (2019): Nationale Strate­gie zur
Reduzierung der Lebensmittelverschwendung.

[x]  Siehe Hes­ek­er, H. / Hirsch, J. / Dankers, R. (2019): Forschungs­bericht „Ernährungs­be­zo­gene
Bil­dungsar­beit in Kitas und Schulen“. Uni­ver­sität Pader­born sowie Rit­ter, G. / Reichardt, K. /
Hielsch­er, J. (2021): „NRW isst bess­er! Weg­weis­er zu einem nach­haltigeren Ernährungssys­tem in
NRW“. FH Mün­ster / Insti­tut für Nach­haltige Ernährung.

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